Von Gudrun Klinkhammer, 16.08.09, 16:45h
1962 begannen die Arbeiten für den Ausweichsitz „Am Gillesbach 1“ im Tagebauverfahren. Im kleinen Gillesbachtal wurde dafür am Berghang eine ebene Baufläche von 40 mal 40 Metern angelegt. Darauf entstand ein vierstöckiges Gebäude von 35 Metern Breite, 26 Metern Länge und 16 Meter Höhe. Die Mauern weisen eine Stärke von drei Metern auf. Nach Abschluss der Arbeiten wurde das kleine Tal mit dem als atomsicher geltenden Bunker zugeschüttet, so dass der „Ausweichsitz NRW“ seit seiner Fertigstellung 1966 unter der Erde versteckt blieb. Der Zugang befindet sich immer noch getarnt in einer Waschbetongarage.
Im Fall eines Angriffs mit Massenvernichtungswaffen sollten 200 bis maximal 300 Beamte, überwiegend aus dem Landesinnenministerium, im Ausweichsitz 30 Tage lang autark arbeiten können. Noch heute stehen die Gerätschaften und Utensilien, die 1966 als modernste Technik galten, unverändert da. Zum Beispiel existieren in Urft unterirdisch 300 Telefonanschlüsse. Vielfach abgesichert war die Versorgung mit Elektrizität.
Echter Beamten-Bunker
Die Stromversorgung erfolgte über Hochspannungsleitungen aus zwei verschiedenen Richtungen. Wären diese Leitungen alle ausgefallen, wäre wenige Sekunden später ein Diesel- oder bei Bedarf ein Ersatzdieselgenerator angesprungen. Hätten diese Generatoren ebenfalls versagt, wären die wichtigsten Systeme von großen Batterien gespeist worden. Im untersten Geschoss des Bunkers liegen riesige Kraftstoff-Tanks. Zusätzlich befindet sich vor dem Ausweichsitz ein Treibstofflager, das 30 000 Liter fasst.
Eine kleine Einschränkung mussten die Beamten im Ernstfall allerdings hinnehmen: Im Bunker existieren nur 100 Betten, so dass auch bei den regelmäßigen Übungen im Schichtdienst geschlafen werden musste. Die sechs Tonnen Lebensmittel in Form von Konserven, die in den Vorratskammern permanent lagerten, wurden alle zwei Jahre ausgetauscht. Mit einer Besatzung von drei Personen wurde die Anlage, die als Decknamen und Postadresse die Bezeichnung „Warnamt Eifel“ trug, bis zu ihrer Aufgabe 1993 stets in Bereitschaft gehalten. Da die Anwohner nichts von den Aktivitäten erfahren sollten, musste die Bunkerbesatzung zunächst die Polizeihauptfunkstelle in Krekel anfahren, um dann mit Privatwagen in kleinen Gruppen heimlich zum Ausweichsitz zu gelangen. Dr. Ingo Wolf nannte es „ein großes Glück“, dass Claus Röhling und seine Frau Claudia als Privatleute dieses „Schätzchen“ nun für Besucher wieder öffnen und der Dornröschenschlaf der unangetasteten Bunkeranlage damit beendet ist. Wolf: „Der Bunker ist eine Friedensdividende, wir brauchen ihn nicht mehr. Wir haben in Europa so viel Frieden wie noch nie vorher. Das ist eine großartige politische Leistung und ein Segen für alle Menschen.“
Claudia Röhling berichtete, dass der nun zum Museum umgewandelte Atombunker in Zukunft regelmäßig besichtigt werden könne. Das Ehepaar Röhling wird sich in den kommenden Monaten am Ausweichsitz einquartieren und dort eventuell sogar eine kleine Caféteria eröffnen. Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und Anreise gibt es im Internet.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln
![]() |
Mahjongg Fortuna » 2337 Spieler |
![]() |
Zuma » 1507 Spieler |
![]() |
Bookworm » 1263 Spieler |
![]() |
Bubble Shooter » 1034 Spieler |
![]() |
Bejeweled 2 » 956 Spieler |